Dienstag, 7. Februar 2012

Zeichnungen von Kindern und Künstlern: Allein




Die Ausstellung Zeichnungen von Kindern und Künstlern erfolgt in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR). In den Werkstätten des LVR - Archivberatungs- und Fortbildungszentrums in Brauweiler wird seit September 2010 die gesamte Sammlung der Kinderzeichnungen restauriert. Ein Film zeigt Beispiele der restauratorischen Arbeit an den Objekten. Die Restaurierungsmaßnahmen sind ebenfalls an den Info-Stationen und im YouTube-Kanal des Stadtmuseum recherchierbar.     
Die Wechselwirkung zwischen dem Schaffen von Künstlern und Kindern ist in der Kunstgeschichte bereits hinlänglich erforscht, ausgestellt und diskutiert. So hat auch das Team des Stadtmuseums 1988 eine Ausstellung erarbeitet, die mit einem biografischen Ansatz Fragen dieses künstlerischen Dialogs zwischen Julo Levin und seinen Schülerinnen und Schülern beantworten sollte.

Das aktuelle Kurtorenteam verfolgt einen anderen Ansatz. Seine Vorgehensweise ähnelt der des prozessualen künstlerischen Schaffens eines Werks. Hierin liegt auch die Auswahl des Co-Kurators begründet; Robert Hartmann, Künstler und Vorsitzende des Künstlervereins Malkasten, verstärkt konzeptionell den Strang des Sehens und Malens als intuitiven kreativen Prozess. Er trifft die Werkauswahl der hundert Zeichnungen aus dem Großkonvolut nach seinen eigenen qualitativen Kriterien und ordnet sie anthropologisch orientierten Themen zu. Gemeinsam wurden dann die Referenzobjekte der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Kunst auf ihre basale emotionale Beziehung hin ausgelotet und ausgesucht. Zusammen mit den Zeichnungen der Kinder gehängt, setzen sie Akzente in dem Gespinst aus Formen und Farben, die der Beobachtung jener Gefühlswelt der Kinder entspringen, die für Klee beispielsweise so bedeutsam war. In Ergänzung erstellen zwei Düsseldorfer Schülerinnen hierzu bildnerische Kommentare.

Die aus dem Menschsein geprägte Herangehensweise an die Zeichnung der jüdischen Kinder wird durch die Farbgebung der Wände noch unterstrichen. Hartmann hat hier großen Wert auf einen den Zeichnungen entlehnten malerischen Duktus der Wasserfarbe gelegt. So verweben sich die Werke auch durch die Beigabe der Zitate von Henri Michaux miteinander. Sie erhalten jene Gleichwertigkeit, die für Joseph Beuys so entscheidend war. Sie zeigt erstmalig die enorme Leistung von Menschen, die jüdischen Glaubens waren und sind, die
im Museum nicht mehr auf ihre Rolle als Opfer der Vernichtungslager reduziert werden.

Heute wird die zweite Kategorie vorgestellt:

Allein

KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: ein Neger aus Afrika s[t]eht hier breitbeinig dar
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Recto: in Tusche: Ein Neger aus Afrika seht hier breitbeinig da Verso: in Grafitstift: AL 241, C 10360
Maße: 22,3 x 19,4 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Tusche, Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1936
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10360
Es handelt sich bei dieser Zeichnung um das Schlüsselwerk der Sammmlung von 2000 Zeichnungen jüdischer Kinder des Stadtmuseums Landeshauptstadt Düsseldorf. Es wurde von einem jüdischen Kind im Schulunterricht von Julo Levin an der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf 1936 gezeichnet. Der Schüler/die Schülerin setzt sich mit einem zeitgenössischem Sportleridol auseinander; vermutlich Jesse Owens oder Joe Lewis. Er/sie hat den Titel des Werks selbst ausgewählt und auf das Werk geschrieben. In der Kunstgeschichte ist diese Zeichnung die einzige bisher bekannte Darstellung eines Afrikaners mit Sporthose.

KünstlerIn: Manfred H. (geb. 15.07.1926) Titel: Mann in antiker Kleidung leert einen Krug
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto unten rechts: M. H. Stempel/Zeichen: Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: M. H., M. H. Verso: in Grafitstift: 154, C 10351, 1992/95-9 durchgestrichen
Maße: 40 x 27,9 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10351
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Dezember 1937. Manfred H., geboren am 15. Juli 1926, ist am 6. Juli 1939 (vermutlich mit einem "Kindertransport") nach England emigriert.

KünstlerIn: Rolf L. (geb. 22.11.1924, 1941 in das Ghetto Minsk deportiert und dort später ermordet), VI. Klasse Titel: Wasserträger
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto unten rechts: R. L. Stempel/Zeichen: Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: R. L. Verso: in Grafitstift: 6. (VI durchgestrichen) Schulj, Wasserträger, 3.37, 2-3, 1983/71-650, C 10313
Maße: 23,6 x 31,5 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10313
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Februar + März 1937. Bei Rolf L. handelt es sich vermutlich um den Sohn von Hedwig L., geborene O., (geboren am 5. Juli 1897 in Köln). Rolf Rudolf Martin L. wurde am 22. November 1924 in Wiesbaden geboren. Er lebte in Köln und Bremen und zuletzt in Düsseldorf. Dort wohnten sie in der Schillerstraße 25 (ein sogenanntes "Judenhaus") und wurden am 10. November 1941 in das Ghetto Minsk deportiert und dort ermordet.



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel Milchmädchen
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: AL 834, C 10344 (ausradiert VII Schj, Milchmädchen, 9.37, 2-)
Maße: 27,6 x 21 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Deckweiß, vermutlich Tusche auf Papier
Datierung: 1939
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10344







KünstlerIn: Gigi B. (geb. 26.11.1924), VI. = III. Klasse Titel: Wasserträgerin
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto oben rechts: Gigi B. Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: Gigi B., Kl. III Verso: in Grafitstift: VI Schulj., Wasserträgerin, 3.37, Rebekka am Brunnen, 1989/1-9, C 8293
Maße: 29,5 x 19,9 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 8293

Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, März 1937. Gigi B., geboren am 26. November 1924, war die Tochter von Anna B., geborene L. Beide sind am 18. März 1937 aus Düsseldorf weggezogen.



KünstlerIn: Helene T. (geb. 02.03.1926, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert), VI. Klasse Titel: Frau
Beschriftung: Künstlersignatur: Verso oben links: Helene T. Stempel/Zeichen: Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin Beschriftungen: Verso: in Tinte: Helene T. in Grafitstift: VI Schuljahr, 11.36, 1., 1983/71-635, C 10323
Maße: 24,3 x 31,9 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1936
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10323

Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1936 + 1937. Die am 2. März 1926 geborene Helene T. war die Tochter von Pinkus T., geboren am 13. Dezember 1889 und dessen Ehefrau Fella T., geboren am 13. Oktober 1892.
Am 28. Oktober 1938 aus Düsseldorf deportiert an die deutsch-polnische Grenze, ist die Familie am 31. Juli 1939 nach Lodz verzogen. Von dort wurde sie nach Auschwitz deportiert.



KünstlerIn: Helmut C. (geb. 25.08.1923) Titel: Mann mit Arbeitsschürze
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto rechts unten: H. C. Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Recto: in Wasserfarbe: H. C. Verso: in Grafitstift: AL 564, C 10321
Maße: 30,7 x 26,2 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10321

Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1937 + 1938. Helmut C. wurde am 25. August 1923 in Düsseldorf als erstes Kind der Eheleute Hermann und Johanna C., geb. H., geboren. Sein Vater stammte aus Beckrath bei Rheydt, seine Mutter aus Düsseldorf. Sein Bruder G. kam zwei Jahre später, am 17. August 1925, in Düsseldorf zur Welt. Die Familie wohnte auf der Bilker Allee 136. Später zogen sie um in die Martinstraße 73. Nach der Pogromnacht 1938 beschlossen seine Eltern, Helmut und seinen Bruder mit einem Kindertransport nach Großbritannien zu schicken. Helmut C. verließ Düsseldorf am 26. Juni 1939. Anders als sein Bruder, der während des Krieges als "feindlicher Ausländer" von Großbritannien nach Kanada deportiert wurde, konnte Helmut in Großbritannien bleiben. Dort lebte er auch nach dem Krieg. Er änderte seinen Namen in Harry C. und ist mittlerweile verstorben. Seine Eltern wurden am 10. November 1941 in das Ghetto Minsk deportiert und dort ermordet.


KünstlerIn: Günther Cahn (geb. 17.08.1925), VI. Klasse Titel: Atlas
Material/Technik: Wasserfarbe, Deckweiß, Tinte auf Papier
Datierung: 1937
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10312

Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule.
Günther Cahn wurde am 17. August 1925 in Düsseldorf als zweites Kind der Eheleute Hermann und Johanna Cahn, geb. Herz, geboren. Sein Vater stammte aus Beckrath bei Rheydt, seine Mutter aus Düsseldorf. Sein Bruder Helmut war am 25. August 1923 in Düsseldorf zur Welt gekommen. Die Familie wohnte auf der Bilker Allee 136. Später zogen sie um in die Martinstraße 73. Nach der Pogromnacht 1938 beschlossen seine Eltern, Günther und seinen Bruder mit einem Kindertransport nach Großbritannien zu schicken. Günther Cahn verließ Düsseldorf am 27. März 1939. Während des Krieges wurde er als "feindlicher Ausländer" von Großbritannien nach Kanada deportiert. Dort lebt er auch heute noch. Seine Eltern wurden am 10. November 1941 in das Ghetto von Minsk deportiert und dort ermordet.



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel:ohne Titel (Mann)
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: VII Schulj, C 10355
Maße: 26,2 x 30,7 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10355


KünstlerIn: Salli F. (geb. 1924) Titel: Mann mit Schürze, schreitend
Beschriftung: Signatur: Recto unten rechts: S. F. Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: S.F. Verso: in Grafitstift: C 10040, 1983/71-40 Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin
Maße: 30,8 cm x 26,2 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10040






Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1936 + 1937. Salli F. war möglicherweise der Sohn des ostjüdischen Ehepaars Ephraim (Erwin) und Therese F., geb. M. Diese hatten den am 29. Oktober 1920 in Düsseldorf geborenen Sohn Philipp F. Die Familie unterhielt ein Schuhgeschäft in Düsseldorf.
Die gesamte Familie F. wurde am 28. Oktober 1938 im Zuge der sogenannten Polenaktion an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben. Die Eltern befanden sich später im Warschauer Ghetto und kamen dort um. Philipp F. kam am 14. März 1945 im Konzentrationslager Buchenwald um.





KünstlerIn: Rolf B. (12.09.1924 - 09.07.1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet), VII. Klasse Titel: Mann mit Hut gehend
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto oben links: R. B. Stempel/Zeichen: Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin Beschriftungen: Recto: in Tinte: R. B., 7. Schulj. Verso: in Grafitstift: 1983/71-201, C 10226
Maße: 27,8 x 21 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10226
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1937 + 1938. Rolf B. kam am 12. September 1924 in Düsseldorf als Sohn des Kaufmanns Adolf Isidor B. und dessen Frau Rosa, geborene B., zur Welt. Er hatten einen vier Jahre älteren Bruder Helmut sowie einen Halbbruder aus der ersten Ehe seines Vaters: Alfred B. (geboren 1912 in Düsseldorf). Im Dezember 1934 musste die Familie B. ihre Wohnung in der Hüttenstraße 129 aufgeben und in die Schwerinstraße 53 umziehen, da Adolf B. wegen seiner jüdischen Herkunft seine Arbeitsstelle verloren hatte. Rolf B. besuchte ab 1935 die jüdische Schule in der Kasernenstraße in Düsseldorf. Rolf floh 1939 alleine in die Niederlande (Boxmeer), nachdem er zuvor einige Zeit in Emmerich gelebt hatte. In den Niederlanden fand er eine Anstellung als Butler bei der jüdischen Familie L. in Boxmeer. Als Jude wurde er in den Judendurchgangslagern Vught und in Westerbork festgehalten. Am 6. Juli 1943 wurde Rolf B. vom Lager Westerbork nach Sobibor deportiert und dort am 9. Juli 1943 ermordet.
Seine Eltern und sein Bruder waren in Düsseldorf geblieben und wurden am 27. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert. Sie haben nicht überlebt.



KünstlerIn: Herta R. (geb. 12.12.1927), IV. Klasse Titel: Großmutter im Rock, 72 Jahre alt
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto oben links: Herta R. Stempel/Zeichen: Verso: Stempel: Nachlass Julo Levin Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: Herta R., Grosmutter im Rock 72 Jahre alt Verso: in Grafitstift: Herta R. (3 mal jeweils unterschiedliche Schrift), IV Schulj, 5.37, 1983/71-210, C 10357
Maße: 32,9 x 24,1 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift, Farbstift auf Papier
Datierung: 1937
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Mieke Monjau
Objektnummer: SMD.C 10357
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 4. Schuljahr, 1937. Herta R. wurde am 12. Dezember 1927 in Düsseldorf geboren. Zusammen mit ihren Eltern Paul und Grete R., geborene S., wohnte Herta zunächst in Düsseldorf-Oberkassel, Luegallee 12. Im August 1934 zog die Familie in die Prinz-Georg-Straße 100.
Herta emigrierte vermutlich mit ihren Eltern.


KünstlerIn: Gisela Straus (1923 - 1980) Titel: Bauernmädchen
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto unten rechts: G. Straus Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: Gisela, G. Straus Verso: in Grafitstift: AL 603, C 10335 (ausradiert VII Schuljahr, Bauernmädchen)
Maße: 25,9 x 19,3 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10335
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Zeit unbekannt. Gisela Straus wurde am 24. September 1923 geboren. Ihre Eltern waren Leo Straus, geboren am 24. August 1895 im hessischen Gedern, und Else Straus, geborene Rösche, geboren am 6. September 1895 in Berlin. Gisela hatte zwei Geschwister: Inge Straus, geboren am 24. September 1923 in Krefeld, und Rudi Straus, geboren am 19. Februar 1927 in Krefeld. Die gesamte Familie emigrierte am 21. Juni 1938 in die USA und zog nach Detroit, wo ein Bruder Leo Straus´, Hugo, lebte. Gisela (jetzt: Gladys) arbeitete als Krankenschwester. Sie heiratete Harold Feldman mit dem sie drei Kinder hatte. Gladys war Mitglied in der amerikanisch-jüdischen Frauenorganisation Hassadah und aktiv in vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie war eine äußert talentierte Schneiderin und fertigte selbst Kleidung an. 1980 ist sie gestorben.



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: Frau in blauem Rock und roter Bluse
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: AL 601, C 10330
Maße: 33,1 x 22,1 cm, Breite diveriert um 4 mm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10330



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: Frau
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: AL 864, C 10319
Maße: 20,6 x 14 cm, Ränder unregelmäßig (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10319



KünstlerIn: Isi M. (geb. 11.08.1924) Titel: Narr
Beschriftung: Künstlersignatur: Verso oben links: Isi M. Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: Isi M., AL 660, C 10325
Maße: 32 x 24,3 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10325
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Februar 1937. Isi M. wurde am 11. August 1924 geboren. Ihre Eltern waren Max M., geboren am 31. Mai 1900 und Anneliese M., geborene S., geboren am 24. Dezember 1899. Mit den Eltern und den Geschwistern wohnte sie in Düsseldorf auf der Harkortstraße 13.
Nach dem Novemberpogrom 1938 emigrierte die Familie im März 1939 nach Belgien. Er und seine Schwester D. verließen am 6. März 1939 Düsseldorf und gelangten 1940 nach Palästina. Ihre 93-jährige Großmutter blieb in Düsseldorf und wurde später nach Theresienstadt deportiert.



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: Schiffer im Boot
Beschriftung: Künstlersignatur: keine Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Verso: in Grafitstift: ? weg, 5.11.19
Maße: 4,9 x 6,8 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Grafitstift, Farbstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10318



KünstlerIn: Gisela Straus (1923 - 1980) (Name recto von Carl Lauterbach ausradiert) Titel: Gewichtheber
Beschriftung: Künstlersignatur: Recto unten mittig: G. Straus Stempel/Zeichen: ohne Beschriftungen: Recto: in Grafitstift: G. Straus (ausradiert) Verso: in Grafitstift: AL 621
Maße: 32 x 24,4 cm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Danksagung/Provenienz:
Nachlass Julo Levin
Provenienz: Carl Lauterbach
Objektnummer: SMD.C 10350
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Zeit unbekannt. Gisela Straus wurde am 24. September 1923 geboren. Ihre Eltern waren Leo Straus, geboren am 24. August 1895 im hessischen Gedern, und Else Straus, geborene Rösche, geboren am 6. September 1895 in Berlin. Gisela hatte zwei Geschwister: Inge Straus, geboren am 24. September 1923 in Krefeld, und Rudi Straus, geboren am 19. Februar 1927 in Krefeld. Die gesamte Familie emigrierte am 21. Juni 1938 in die USA und zog nach Detroit, wo ein Bruder Leo Straus´, Hugo, lebte. Gisela (jetzt: Gladys) arbeitete als Krankenschwester. Sie heiratete Harold Feldman mit dem sie drei Kinder hatte. Gladys war Mitglied in der amerikanisch-jüdischen Frauenorganisation Hassadah und aktiv in vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie war eine äußert talentierte Schneiderin und fertigte selbst Kleidung an. 1980 ist sie gestorben.

Dienstag, 31. Januar 2012

Zeichnungen von Kindern und Künstlern




Das Stadtmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung von rund 2.000 Zeichnungen jüdischer Kinder. Die Arbeiten entstanden im Unterricht des Malers Julo Levin (Mitglied des Jungen Rheinland, geb. 1901 in Stettin, ermordet 1943 in Auschwitz), der von 1936 - 1941 an verschiedenen jüdischen Schulen als Zeichenlehrer beschäftigt war, darunter von 1936 - 38 an der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf.



Levins Motiv zur Anlage der Sammlung ist in der bereits vor dem Ersten Weltkrieg einsetzenden kunsttheoretischen und kunstpädagogischen Diskussion um „Kinderkunst“ und kindliche Kreativität zu suchen. Vor seiner Deportation nach Auschwitz konnte Levin die Zeichnungen seiner Freundin Mieke Monjau – der Frau seines engen Freundes, des Malers Franz Monjau – übergeben, die die Zeichnungen über die letzten Jahre des Nationalsozialismus gerettet hat. Einen Teil der Sammlung hatte Levin bereits zuvor seinem Freund, dem Düsseldorfer Maler Carl Lauterbach, geschenkt. Ein kleines Konvolut nahm Levins Schwester Else bei ihrer Emigration nach England 1939 mit. Seit Anfang der 1980er Jahre sind die Zeichnungen durch Ankauf und Schenkung in die Sammlungen des Stadtmuseums gelangt.

Die Ausstellung präsentiert die Kinderzeichnungen in ihrem zeitgeschichtlichen und kunsthistorischen Kontext mit Werken u. a. der Klassischen Moderne von Otto Dix, George Grosz, Paul Klee, Fernand Léger, Max Pechstein und Pablo Picasso sowie ausgewählten Beispielen der Gegenwart. Informationen, Fotografien und Dokumente zu Levin, der Jüdischen Volksschule und den Biografien der jüdischen Kinder können an Info-Stationen recherchiert werden. Die ermittelten Biografien der Schulkinder zeigen exemplarisch Lebensläufe jüdischer Menschen und Familien in der Zeit des Nationalsozialismus von Emigration, Flucht, Ausweisung, den so genannten Kindertransporten nach England bis hin zu Deportation und Ermordung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Neben den biografischen Angaben lassen sich an den Info-Stationen auch erweiterte Angaben über das Konvolut der Kinderzeichnungen recherchieren; dieses Angebot besteht über e-museum - erstmalig für eine Sonderausstellung - auch im Internet. Die Zeichnungen sind hierzu mit einem QR-Code gekennzeichnet. 
QR-Code zur Ausstellung.


100 Zeichnungen werden in diesem Blog nun der Öffentlichkeit präsentiert. In der Ausstellung "Zeichnungen von Kindern und Künstlern" im Stadtmuseum werden die Zeichnungen sieben Gruppen zugeordnet. In den nächsten Wochen werden wir die sieben Kategorien mit  Exponaten vorstellen. Heute starten wir mit der ersten Kategorie:


Gesichter


KünstlerIn: Lore G. (geb. 01.05.1914), VII. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 31,1 x 24,3 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937 Objektnummer: SMD.C 10363
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Februar 1937. Die am 1. Mai 1914 geborene Lore G. verzog am 26. August 1939 nach Wuppertal-Elberfeld.


KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: Frau
Maße: (aus Restaurierung): 26,5 x 21 cm Rand unten unregelmäßig (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1938
Objektnummer: SMD.C 10334


KünstlerIn: Selma Sara R. (geb. 26.11.1924), VI. Klasse Titel: Frau
Maße: (aus Restaurierung): 30,6 x 26,2 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Objektnummer: SMD.C 10308
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Februar 1937. Selma R. war die Tochter von Max und Sophia R., geborene K. Die Familie wohnte in der Hohestraße 8. Selma ist am 20. Juli 1939 mit einem "Kindertransport" nach England gekommen. Ihre Eltern wurden am 10. November 1941 nach Minsk deportiert.


KünstlerIn: Cilli Gellert (geb. 08.01.1925) Titel: Pirat
Maße: (aus Restaurierung): 27,5 x 21,1 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Objektnummer: SMD.C 10341
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1937 + 1938. Cilli (Cecilia) Gellert wurde am 8. Januar 1925 als Tochter des Kaufmanns Jakob Gellert und seiner Frau Rosa Gellert, geborene Tugendhaft, geboren. Sie hatte drei Geschwister: Oskar (geboren 1920), Paula (geboren 1922) und Bernhard (geboren 1929). Cilli lebte mit ihrer Familie zunächst in der Charlottenstraße 28, später in der Steinstraße 84. Sie emigrierte am 29. Februar 1938 nach Amby in die Niederlande. Ihr Bruder Oskar wurde am 26. Juni 1943 in Holland verhaftet und drei Tage später am 29. Juni über das Judendurchgangslager Westerbork nach Sobibor deportiert. Dort wurde er am 2. Juli 1943 ermordet. Cilli Gellert hat überlebt und lebt heute in Israel unter dem Namen Cilly Shkedy.

KünstlerIn: Karl K. Titel: Mann mit Hut und Pfeife, Vase
Maße: (aus Restaurierung): 30,8 x 23,5 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Objektnummer: SMD.C 10314
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Ort und Zeit unbekannt. Weitere Informationen sind nicht bekannt.

KünstlerIn: Heinz J. (geb. 16.05.1924, in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert und dort später verstorben), VII. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 15,3 x 25,9 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Objektnummer: SMD.C 10365
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1937 + 1938. Heinz J. wurde am 16. Mai 1924 geboren. Seine Geschwister waren Karola (geboren am 7. September 1927) und Jakob J. (geboren am 25. Mai 1929 in Düsseldorf). Heinz ist am 30. Mai 1939 "unbekannt verzogen".



KünstlerIn: Rudi Straus (geb. 19.02.1927), V. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 27,7 x 21 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1938
Objektnummer: SMD.C 10249
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Juni 1937 + März 1938. Rudi Straus wurde am 19. Februar 1927 als Sohn der Eheleute Leo und Else Straus, geborene Rösche, geboren. Sein Vater stammte aus Gedern in Hessen, seine Mutter aus Berlin. Seine Zwillingsschwestern Gisela und Inge kamen am 24. September 1923 in Krefeld zur Welt. Rudi war nach dem im Ersten Weltkrieg gefallen Bruder von Leo Straus benannt. Die gesamte Familie emigrierte am 21. Juni 1938 in die USA.



KünstlerIn: Ernst Wolf (geb. 28.03.1927), VI. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 34 x 25,3 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Objektnummer: SMD.C 10362
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1937. Ernst Wolfs Eltern waren der Kaufmann Julius Wolf, geboren am 6. Mai 1889 in Rommerskirchen, und Meta Wolf, geborene Kaufmann, geboren am 7. Juni 1896 in Dortmund. Seine Schwester war Hella Wolf, geboren am 8. Mai 1924 in Düsseldorf. Sie wohnten 1938 in der Luegallee 40. Seine Schwester Hella wurde am 5. Juni 1938 in der Synagoge eingesegnet. Er emigrierte am 26. August 1938 mit seinen Eltern und seiner Schwester nach New York/USA.


KünstlerIn: Helene T. (Name von Carl Lauterbach ausradiert, geb. 02.03.1926, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert), VI. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 26,3 x 29,9 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Objektnummer: SMD.C 10322
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, 1936 + 1937. Die am 2. März 1926 geborene Helene T. war die Tochter von Pinkus T., geboren am 13. Dezember 1889 und dessen Ehefrau Fella T., geboren am 13. Oktober 1892.
Am 28. Oktober 1938 aus Düsseldorf deportiert an die deutsch-polnische Grenze, ist die Familie am 31. Juli 1939 nach Lodz verzogen. Von dort wurde sie nach Auschwitz deportiert.



KünstlerIn: Künstler unbekannt Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 26,3 x 20,5 cm Höhe diveriert um 3 mm (aus Restaurierung)
Material/Technik: Wasserfarbe, Tinte auf Papier
Datierung: 1939
Objektnummer: SMD.C 10329

KünstlerIn: H. K.?, V. Klasse Titel: Maske
Maße: (aus Restaurierung): 24,2 x 29,5 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, Grafitstift auf Papier
Datierung: 1937
Objektnummer: SMD.C 10309
Objektbeschreibung: Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule, Februar 1937. Genaue Informationen zu H. K. sind leider nicht zu ermitteln.



KünstlerIn: Günther Cahn (geb. 17.08.1925), VI. Klasse Titel Maske
Maße: (aus Restaurierung): 30,6 x 26,2 cm
Material/Technik: Wasserfarbe, grünes glitzerndes Pigment, vermutlich Tusche auf Papier
Datierung: ohne Jahr
Objektnummer: SMD.C 10361

Objektbeschreibung:  Kunstunterricht Julo Levin Düsseldorf, Private Jüdische Volksschule.
Günther Cahn wurde am 17. August 1925 in Düsseldorf als zweites Kind der Eheleute Hermann und Johanna Cahn, geb. Herz, geboren. Sein Vater stammte aus Beckrath bei Rheydt, seine Mutter aus Düsseldorf. Sein Bruder Helmut war am 25. August 1923 in Düsseldorf zur Welt gekommen. Die Familie wohnte auf der Bilker Allee 136. Später zogen sie um in die Martinstraße 73. Nach der Pogromnacht 1938 beschlossen seine Eltern, Günther und seinen Bruder mit einem Kindertransport nach Großbritannien zu schicken. Günther Cahn verließ Düsseldorf am 27. März 1939. Während des Krieges wurde er als "feindlicher Ausländer" von Großbritannien nach Canada deportiert. Dort lebt er auch heute noch. Seine Eltern wurden am 10. November 1941 ins Ghetto von Minsk deportiert und dort ermordet.

Dienstag, 24. Januar 2012

Felix Mendelssohn Bartholdy

 
Felix Mendelssohn Bartholdy  war von 1833 bis 1835 Musikdirektor in Düsseldorf. 

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Gemälde von Wilhelm Hensel (1794 - 1861)
1847, Öl auf Leinwand, Schenkung Prinz
Georg von Preußen, Stadtmuseum B 138
 
Im Jahr 1936 zerstörten die Nationalsozialisten Clemens Buschers Denkmal für Felix Mendelssohn Bartholdy. 
 
Oberflächenscan des Modells von Felix Mendelssohn Bartholdy.
 
 
Eine Bürgerinitiative plant in diesem Jahr die Wiedererrichtung des Denkmals auf der Basis eines im Stadtmuseum erhaltenen Gipsmodells. Mit modernster Technik wurde das Modell  im Stadtmuseum berührungsfrei dreidimensional gescannt und fotografiert.

Jede Seite des Modells wird gescannt.



Darstellung des Scan am Computermonitor.


Dienstag, 17. Januar 2012

Aus Düsseldorfs Urgeschichte



Das Stadtmuseum Düsseldorf besitzt neben seinen Sammlungsbeständen zur Älteren Stadtgeschichte auch eine umfangreiche archäologische Sammlung. Bedeutende Funde wurden seit der Gründung des Museums 1874 in die Sammlung eingegliedert. Diese Bestände gehen auf die Tätigkeiten bekannter Sammler und Kunsthändler wie Carl Guntrum (1803-1891) und Archäologen wie Constantin Koenen (1854-1929) zurück. So befinden sich in der Sammlung Funde aus dem römischen Gelduba (Krefeld-Gellep) oder aus dem sogenannten „Koenenlager“ im römischen Novaesium (Neuss).
Weiterhin unternahm das Museum bereits früh eigene Grabungen im Düsseldorfer Stadtgebiet oder wurde über Funde bei Bauarbeiten rechtzeitig informiert, so dass noch Untersuchungen an der Fundstelle unternommen werden konnten. Überregionale Beachtung erlangten die Grabungen des Museums auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Germania in Düsseldorf-Stockum, bei denen seit 1928 ein frühmittelalterliches Reihengräberfeld untersucht werden konnte. 

Glockentummler aus Düsseldorf-Stockum.
 
Ausgewählte Objekte der Sammlung werden zur Zeit archäologisch untersucht und digitalisiert. Die Auswahl der Objekte erfolgte anhand ihrer archäologischen Bedeutung für Düsseldorf und der Region. Zudem sollte die Zeitspanne von der Steinzeit bis ins Mittelalter anhand der Funde abgedeckt werden.

Bearbeitung der Objekte.

Nach einer Aufarbeitung und Auswertung der zahlreichen Funde der archäologischen Sammlung wird es zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein, weitergehende Aussagen zur Besiedlung Düsseldorfs und der umliegenden Region von der Steinzeit bis zum Mittelalter zu treffen.


Aufgrund von Baumaßnahmen ist die archäologische Sammlungspräsentation im Moment  für die Öffentlichkeit geschlossen. An dieser Stelle sollen daher vorab einige Objekte kurz vorgestellt werden, die exemplarisch die Bedeutung der archäologischen Sammlung aufzeigen.


Axt aus Düsseldorf-Oberbilk, Arminstraße

Bei der Axt handelt es sich um eine sogenannte Rössener Arbeitsaxt mit medialen, leicht ovalen Schaftloch (Typ "Axt der donauländischen Beile" nach K. H. Brandt 1967). Die Axt ist vollständig überschliffen. Die Unterseite ist im Bereich des Schaftloches großflächig antik abgesplittert. Die Axt wurde mehrfach nachgearbeitet. Geräte dieser Art datieren ins Mittelneolithikum (Rössener Kultur). Sie gelten als begehrtes Tauschobjekt Jäger und Sammler Gruppen nördlich der Lößverbreitung mit neolithischen Siedlern. Der bislang bekannte geographisch nächst gelegene Fundplatz der Rössener Kultur (Grube mit Keramik) liegt in Düsseldorf-Golzheim.
Maße: Länge: 10,4 cm, Breite: 4,7 cm, Dicke: 3 cm; Gewicht: 254 g
Inv. Nr. smd.A 6001
Literatur: unveröffentlicht. – zum Thema: K. H. Brandt, Studien über steinerne Äxte und Beile der jüngeren Steinzeit und der Stein-Kupferzeit in Nordwestdeutschland. Münstersche Beiträge zur Vorgeschichtsforschung 2 (Hildesheim 1967).

Axt aus Düsseldorf-Oberbilk.

Armspirale aus Düsseldorf-Rath (Aaperwald, Hügel e)

Armspirale mit dachförmigem Querschnitt und leichter Mittelrippe. Die auseinander gezogene Spirale hat 10 Wicklungen. Das Stück gehört zu dem Typ der Armspiralen mit dachförmigen Querschnitt nach I. Richter 1970. Datiert wird der Typ in eine jüngere Stufe der mittleren Bronzezeit. Armreife gehören zur bronzezeitlichen Tracht von Frauen.
Fundumstände: Das Objekt wurde als Grabbeigabe in einem Hügelgrab in der Flur Aaperwald entdeckt, das zu Anfang des 20. Jahrhunderts untersucht wurde. Beifunde: zusammen mit einer weiteren Armspirale (Inv. Nr. smd.A 6002) und "19 Scherben, 4 Feuersteinabschlag, Feuersteinartefakt, Glättstein, Reibstein".
Fundzeitraum: 1910. Finder/Sammlung: Grabung Dr. Weynand (Grabung des Museums).
Maße: Länge: 13 cm, Durchmesser: 6,2 cm, 0,2 cm Querschnitt, Gewicht: 124 g
Inv. Nr. smd.A 267
Literatur: Th. Ruppel, Urgeschichte Jungsteinzeit und Vorrömische Metallzeiten. In: H. Weidenhaupt (Hrsg.), Düsseldorf. Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert Bd. 1. Von der ersten Besiedlung zur frühneuzeitlichen Stadt (bis 1614) (Düsseldorf 1988).

Armspirale aus Düsseldorf-Rath.
Urne aus Düsseldorf-Lohausen

Es handelt sich um eine braun-gelbliche Urne mit Fingertupfenzier auf dem Umbruch, wenig unterhalb des Randes. Dieser ist leicht nach außen gewölbt. Die Urne besitzt eine gedrungene Form (leicht schultrige Hochform). Der Boden ist als Standfuß ausgearbeitet. Das Gefäß weist gerauhte Oberfläche auf (Rauhtopf). Eine Magerung bleibt unklar. Im Gefäß fand sich menschlicher Leichenbrand und eine eisenzeitliche Randscherbe. Der Leichenbrand wurde von PD Dr. J. Orschiedt, Düsseldorf, untersucht (Januar 2012). Demnach ist nur wenig aussagekräftiges Material vorhanden. Es handelt sich um aller Wahrscheinlichkeit nach um die Knochen eines Juvenilen oder jungen Erwachsenen. Identifiziert wurde ein Rippenfragment, ein Kieferbruchstück und das Fragment eines Gelenkendes. Der Erhaltungszustand der restlichen Knochen verhindert eine genaue Bestimmung. Eine Geschlechter-bestimmung war nicht möglich. Die Knochen weisen Spuren einer homogenen Brenntemperatur von etwa 800° C auf.
Fundumstände: Bei Gartenarbeiten 0,8 m unter der Oberfläche bei den Sanddünen "Leuchtenberger Kirchweg" gefunden. Fundzeitraum: 1934. Finder/Sammlung: Dr. Hunecke. Fundzeitraum:. Finder/Sammlung: Übergabe an das SMD.
Maße: Höhe: 12,5-13,5 cm, Durchmesser Mündung: 16 cm, Bauch: 17 cm, Boden: 8 cm, Gewicht: 835 g; Leichenbrand: 27 g.
Inv. Nr. smd.A 6003
Literatur: A. Marshall et al., Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Bergischen Landes (Neustadt a. d. A. 1954).

Urne aus Düsseldorf-Lohausen mit Leichenbrand.

Leichenbrand aus Düsseldorf-Lohausen während der Bestimmung.



Scheibenfibel aus Düsseldorf-Oberkassel

Nur die goldene Zierplatte ist erhalten. Unterkonstruktion und Nadelkonstruktion fehlen. In der Mittelzelle sind kreuzförmig 4 kleine Zellen angeordnet, wovon eine noch mit einer Einlage aus rotem Glasfluss versehen ist. Versetzt dazu sind 4 größere, tropfenförmige Zellen mit Einlagen aus blauem bzw. rotem Glasfluss (je 2 im Wechsel) angebracht. Zwischen den Zellen finden sich Verzierungen bzw. Ornamente in Form von einfachen und tordierten Golddrähten auf einer dünnen Goldplatte (Typ Fib 2.1 nach F. Siegmund 1998). Es ist keine enge Parallele zu dieser Fibel bekannt.
Fundumstände: Lesefund auf dem Grundstück Hansaallee 60, ehemals Grabfund (Frauengrab); Gräberfeld "Oberkassel 142"; RAB-Nummer: 2098/001.
Beifunde: Zusammen mit diversen Funden und Skelettresten in 1,3 m Tiefe ohne wissenschaftliche Untersuchung geborgen.
Fundzeitraum: 06.04.1902. Finder/Sammlung: Arbeiter der Fabrik Josef Kronenberg. Kauf/Schenkung: Übergabe der Objekte durch den Unternehmer Josef Kronenberg an Constantin Koenen. Die Sammlung Koenen bildet einen wichtigen Bestandteil der archäologischen Abteilung des Museums.
Maße: Durchmesser: 4 cm, Gewicht: 11 g
Inv. Nr. smd.A 6008
Literatur: F. Siegmund, Merowingerzeit am Niederrhein. Die frühmittelalterlichen Funde aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf und dem Kreis Heinsberg. Rheinische Ausgrabungen 34 (Bonn 1998).

Scheibenfibel aus Düsseldorf-Oberkassel.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Zeichnungen von Kindern und Künstlern



Das Stadtmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung von rund 2.000 Zeichnungen jüdischer Kinder. Die Arbeiten entstanden im Unterricht des Malers und Mitglied des Jungen Rheinland Julo Levin (geb. 1901 in Stettin – ermordet 1943 in Auschwitz), der von 1936 – 1941 an verschiedenen jüdischen Schulen als Zeichenlehrer beschäftigt war; darunter von 1936 – 38 
an der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf. 

Die Ausstellung (04.02.– 01.07.2012) präsentiert die Kinderzeichnungen in ihrem zeitgeschichtlichen und kunsthistorischen Kontext mit Werken der klassischen Moderne von Otto Dix, George Grosz, Paul Klee, Fernand Léger, Max Pechstein, Pablo Picasso, u. v. a. 

Eine aktuelle Auseinandersetzung mit den Zeichnungen realisiert der Künstler Robert Hartmann zusammen mit Düsseldorfer Schülerinnen. Der Kooperationspartner Landschaftsverband Rheinland (LVR) restauriert in den Werkstätten des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums in Brauweiler die gesamte Sammlung der Kinderzeichnungen. 

Titel: Ein Neger aus Afrika s[t]eht hier breitbeinig da
Inv-Nr: C 10360
Künstler unbekannt
Datierung: ohne Jahr
Eigentümer: Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf
Größe: 22,5 x 20 cm

Mittwoch, 2. November 2011

Stichtag: 02.11.1811

Napoleon I. in Düsseldorf

Düsseldorf ist in den Jahren von 1806 bis 1813 Hauptstadt des Großherzogtums Berg. Großherzog Joachim Murat hält sich nur zweimal in seiner Residenz auf, im Jahr 1806. Sein Nachfolger ist Napoleon, der das Land vollständig von Paris aus regiert. 
 
Bereits im Herbst 1810 kursieren erste Gerüchte über einen möglichen Besuch Napoleons in Düsseldorf, das Kaiserpaar begibt sich aber erst ein Jahr später auf die Inspektionsreise durch das Großherzogtum Berg.


Einen Höhepunkt der Stadtgeschichte Düsseldorfs bildet der Besuch Napoleons vom 2. bis 5. November 1811. Er dient nicht nur der eingehenden Visitation der großherzoglichen Verwaltung, sondern führt auch zu dem für die weitere Entwicklung der Stadt wichtigen Verschönerungsdekret (erlassen am 17. Dezember 1811). Während seines dreitägigen Aufenthaltes in Düsseldorf residiert Napoleon I. im Schloss Jägerhof. Dort empfängt er Vertreter der Stadtverwaltung, der Geistlichkeit und der Kaufmannschaft, die ihm in französischer Sprache ihre Anliegen vorbringen. Die Renovierung des Schlosses anlässlich des Besuches Napoleons kostet 33.000 Francs.


02.11.1811
Um 11 Uhr erreicht Napoleon die Düsseldorfer Stadtgrenze am „Luftballon“. Vor dem Wirtshaus wird er von dem Bürgermeister Freiherr von Pfeill, von weiteren Vertretern der Stadt, der Geistlichkeit sowie der Kaufmannschaft und höheren Beamten des Rheindepartements empfangen und bekommt den Stadtschlüssel überreicht. Über die heutige Kaiserstraße begibt sich der Kaiser zum Schloss Jägerhof und lässt sich die leitenden Beamten des Großherzogtums Berg vorstellen, um sich einen Überblick über den Verwaltungszustand zu machen. Später zieht er sich zu den laufenden Regierungsgeschäften zurück. Er bearbeitet die eingegangene Post und sendet seine Befehle in alle Teile seines Reichs aus. 

Johann Petersen, Einzug Napoleons in Düsseldorf am 02./03. November 1811, um 1811, Aquarell. Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (SMD.C 2629).


03. November 1811
Am zweiten Tag nimmt Napoleon ab 10 Uhr an den Sitzungen des Verwaltungs- und Staatsrates teil und übt scharfe Kritik an der Verwaltung des Landes. Nach mehrstündigen und anstrengenden Sitzungen, soll der Staatsratsvorsitzende Joseph von Fuchsius (1793 – 1854) zu Jacques Claude Beugnot (1761 – 1835), Finanzminister des Großherzogtums Berg, gesagt haben: „Der Kaiser ist mehr als ein Mensch“. Daraufhin antwortet der verärgerte Beugnot: „Ich glaube wie Sie. Er ist ein Teufel.“ Napoleon selbst äußert sich dazu wie folgt: „Er hat wirklich recht, ich habe ihn den ganzen Morgen auf heißen Kohlen sitzen lassen.“ Dass Beugnot mit seiner Bezeichnung Napoleons als Teufel nicht alleine steht, zeigen die  zeitgenössische Karikaturen. 
 
Napoleon als Sohn des Teufels. Zeitgenössische Karrikatur. Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (SMD.D-XIII-44_1).

Napoleon Bonaparte als Teufel. Zeitgenössische Karrikatur. Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (SMD.D-XIII-51_verso).
 
Am Nachmittag besichtigt Napoleon die Stadt, reitet durch die eigens für ihn aufgestellte Ehrenpforte an der Elberfelder Straße. In lateinischer Sprache war dort zu lesen:
"Dem göttlichen Napoleon, dem großen Kaiser und König, dem unüberwindlichen Sieger und Beschützer der Völker."Am Rathaus nimmt Napoleon den Ehrentrunk entgegen.

04. November 1811
Nachdem der Kaiser und seine Frau am Vormittag zunächst an einer Treibjagd in Benrath teilnehmen, besichtigt das Kaiserpaar nachmittags auf dem Exerzierplatz Einheiten der Großherzoglich-Bergischen Truppen. Bei dem sich anschließenden Theaterbesuch sieht Napoleon nur die Schlussszene von Mozarts „Don Giovanni“. In der ehemaligen kurfürstlichen Kanzlei neben dem Rathaus besucht er am späten Abend die Gewerbeausstellung der Fabrikanten aus Düsseldorf, Elberfeld, Barmen, Lennep, Remscheid, Solingen, Iserlohn und Altena. Danach besucht das Kaiserpaar den Ball, den die Stadt ihm zu Ehren in den Galeriesälen des Schlosses veranstaltet.

05. November 1811
Nach einer feierlichen Verabschiedung am Wehrhahn reist Napoleon über Mülheim und Deutz weiter nach Köln.